Der Zug nahm und nahm kein Ende. Ich hatte den Anti-Atomkraft-Demonstrationszug am Kölner Dom erwartet und wollte mir zunächst einen Eindruck von der Länge des Zuges machen. Als nach einer Stunde immer noch kein Ende absehbar war, schloss ich mich dem Strom an, der bald die Deutzer Brücke überquerte und am Platz der Hauptkundgebung an der Deutzer Werft endete.

Hier waren bereits zigtausend Menschen aller Generationen angekommen, die sich kurzfristig der aus dem Boden gestampften Veranstaltung angeschlossen hatten.
Das Motto lautete: "Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten''.

Und so ertönten immer wieder Sprechchöre : "Abschalten! Abschalten!''. Redner der evangelischen Kirche im Rheinland, des Deutschen Gewerkschaftsbundes oder von Attac riefen dazu auf, endlich Schluss zu machen mit der Nutzung der Kernenergie und eine schnelle und konsequente Energiewende einzuleiten.

Dem kann ich mich nur anschließen. Es ist dem Menschen nicht erlaubt, technisch bis zum Äußersten zu gehen. Das gilt auch für die Nutzung der Kernenergie. Dass die Gefahr von Reaktorkatastrophen besteht, war von Anfang an klar.

Dagegen war völlig unklar, wohin mit dem radioaktiven Atommüll, der Jahrzehntausende lang das Leben auf der Erde bedroht. Nach einem halben Jahrhundert vergeblicher Suche weltweit muss davon ausgegangen werden, dass es nie ein sicheres Endlager geben wird. Es werden also mehr oder weniger notdürftig eingerichtete Dauerlager geschaffen werden müssen, die aber eine jederzeitige Rückholbarkeit des Mülls gewährleisten.

Hier wird einmal mehr klar, dass die Atomenergie volkswirtschaftlich gesehen immer schon ein Verlustgeschäft war. Zwar stecken sich die vier großen deutschen Stromkonzerne - unterstützt von deutscher Politik - die Taschen voll, aber bei Risiken und Nebenwirkungen muss der Staat gerade stehen.



Was können wir tun?
Zum Beispiel Energie sparen und einfach den Stromanbieter wechseln. Ich beziehe längst 100 % Strom aus erneuerbaren Energien, was gar nicht teuer ist. In Kürze will ich auch meine Bank wechseln, weil meine direkt oder indirekt die Atomindustrie finanziert. Und ich will nicht länger schweigend zusehen, wie die Bundesregierung eine verantwortungslose Atompolitik betreibt. All das ist nicht schwer. Schwieriger ist dagegen die Frage, wie wir aus dem Wachstumswahn des ,,immer mehr'' herauskommen und trotzdem an Lebensqualität gewinnen können.



Zwar kann sich hier jede und jeder Einzelne seine eigenen Gedanken machen; ich denke aber, dass wir viel stärker in einen Austausch untereinander eintreten sollten. Das sind wir auch den Opfern der Reaktorkatastrophen und den kommenden Generationen schuldig.

Bernhard Weber